Every Day is an Adventure – oder von der Wichtigkeit, einen Plan zu haben
Nach den ersten Tagen des Kennenlernens im APC und unserem Wochenendtrip in den traumhaften Etosha-Nationalpark kehren wir nach Tsumeb zurück. Es fühlt sich schon fast ein wenig wie Heimkommen an. Gemeinsam mit einer Kerngruppe aus rund 10 bis 15 jungen Teachers des APC beginnt nun die intensivste Phase unserer Zusammenarbeit.

Für uns als Gruppe aus Zürich ist es dabei wichtig, einen genaueren Plan zu entwickeln und zu klären, wie wir gemeinsam arbeiten wollen und wo wir zusammen ankommen möchten. Wir alle möchten die Zeit im APC so gut wie möglich nutzen: um freundschaftliche Beziehungen aufzubauen, Wissen auszutauschen und vor allem viele gemeinsame Erfahrungen mit Musik, Tanz und Bewegung zu machen. Und am Ende unseres Aufenthalts in Tsumeb steht nun sogar ganz konkret ein Konzert auf dem Programm!

Dafür braucht es eine gute Tagesstruktur, in der jede und jeder seinen Platz findet. Klar ist: Es soll ab jetzt regelmässig einen gemeinsamen Start in den Morgen mit Singen und Begegnung geben, eine Probeneinheit für das Ensemblespiel mit den Teachers sowie ein gemeinsames Tanztraining. Das klingt doch schon ziemlich konkret…

Zunächst gilt es jedoch, innerhalb unserer Gruppe nochmals zu diskutieren sowie Bedenken und Wünsche zu teilen. Wir spüren, dass gelingende Kommunikation nicht immer einfach ist. Erneut müssen wir klären, wie Zusammenarbeit und Austausch gestaltet sein sollen, damit sich alle wohlfühlen. In vielen Gesprächen – am Esstisch, auf dem Weg zur Musikschule und zwischendurch – versuchen wir, zunehmend Ordnung in unsere noch junge Zusammenarbeit zu bringen. Wie gut, dass wir eine so offene Gesprächskultur haben.

Welche Lieder eignen sich für die Singstunde, um sowohl Begegnung als auch musikalisches Lernen zu ermöglichen? Wie können wir die Teachers darin bestärken, untereinander mutiger zu werden und ihre Lieder und Tänze weiterzugeben? Wer arbeitet mit den Lehrpersonen im Bereich Tanz? Wer kann den Wunsch einzelner Teachers nach expliziter instrumentaler Expertise erfüllen? Und welche Lieder könnten wir gemeinsam mit ihnen auf die Bühne bringen?

Wir stellen fest, dass es manchen von uns schwerer fällt als anderen, in die hier gelebte Vermittlungskultur von Liedern einzutauchen. Uns fehlt die vertraute Ordnung unserer «wohlmethodisierten» Didaktik. Aus dieser Erkenntnis heraus stellen wir uns die Frage: Wie wollen wir eine gemeinsame Lernkultur entwickeln – und ist das überhaupt möglich? Welche Zeiten, Räume und Voraussetzungen braucht es dafür?

Gesagt, getan: Ein Tagesplan soll Ordnung in das anfängliche Chaos bringen. Doch bereits am ersten Tag lernen wir, dass Zeit hier anderen Dynamiken folgt, als wir es von zu Hause gewohnt sind.
Einen Plan zu haben, ist gut. Auf das reagieren zu können, was gerade geschieht, ist wertvoll. So entstehen einzigartige Momente, und es wird plötzlich möglich, dass Menschen aus völlig unterschiedlichen Stammes-, Sprach- und Weltregionen miteinander klingen und Resonanz entsteht.
Taichi meets Salsa, Oshiwambo Songs meet Damara Songs, Bodymusic meets African Dance, EMP meets APC, Jodel meets Marimba. Es entstehen Resonanzen zwischen bewegten Körpern, Blickkontakten, Synchronisation, tiefer Versenkung und Freude. Herkunft egal. Hintergrund egal. Zukunft egal. Es zählt, was im Moment gemeinsam erlebt und gelernt wird – und dass wir alle dasselbe lieben: die Verbindung von Musik und Bewegung.
Alle Beteiligten wirken in dieser Gemeinschaft eher als «Facilitators» denn als Vermittlerinnen und Vermittler von Methoden, Choreografien oder Liedern. Durch den Raum, den wir in der ersten Stunde des Tages öffnen, wird es plötzlich möglich, dass sich auch die Menschen des APC neu begegnen und kennenlernen. Wir erleben: Fokus und Ordnung entstehen dort, wo Vertrauen wächst, Beziehung ernst gemeint ist und ein gemeinsames Ziel erkennbar wird.
Wir finden uns immer besser ein – und zusammen. Nach und nach entwickeln wir eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Ausdrucksformen. Den Abschluss unseres dritten APC-Tages bildet der «Schülerbuebjodel», begleitet von Marimbaschülern des APC, der in eine für heute letzte Marimba-Improvisation mündet.
«Gradhebä» auf namibisch. Klingt schön.
Ange, Dozentin EMP
4 Kommentare zu “Blog 5”
Hoi zämä
Wow, absolut spannend und beeindruckend was ihr gerade erlebt! Ich lese eure Blogs regelmässig und bin immer gespannt, was als nächstes kommt!
Viele liebe Grüsse nach Namibia!
Sarah
Es wirkt auf mich so, als würdet ihr völlig im freien Raum agieren, der Plan entsteht bei euch in Namibia.
Ich freu mich für euch über eure Kunst!
Sie bleibt ganz sicher dort und außerdem bringt ihr sie mit euch selbst nach Hause.
Danke liebe Dietlinde Ziegler.
Ja, das ist unser grosser Wunsch und je länger wir hier sind, desto realistischer sehen wir die Früchte der Begegnungen beiderseits.
Eure Beiträge zeigen, wie tief Ihr in die Kultur und Gewohnheiten der Einheimischen eintaucht und wie intensiv der Austausch ist. Als Leser fühlt man sich geradezu integriert. Vielen Dank