Blog 10


Das Abschlusskonzert – oder: Ein Ende ist immer auch ein Anfang

Mit einem Konzert in der Cinemahall von Tsumeb am Samstag, dem 21. Februar, sollte unser erster Besuch und unsere Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen des Arts and Performance Center in Tsumeb ihren Abschluss finden. Der alte, äusserst charmante Kinosaal bot dafür den idealen Rahmen: viel Platz für das Publikum und eine wunderschöne Bühne mit altem Holzboden. Helge, der Leiter und Initiant dieser Institution, und sein Team waren von Beginn an hilfsbereit und unterstützten uns mit grossem Engagement – dafür ein herzliches Dankeschön.

Samstagmittag: Es regnete. Regen bedeutet in Tsumeb oft, dass Wege von einem Ende der Stadt zum anderen kaum passierbar werden. Entsprechend gespannt waren wir, wer aus der Gruppe unter diesen Umständen überhaupt würde kommen können. Und doch: Fast alle waren da.

Co-Kreation bedeutete auch in den letzten Stunden unserer gemeinsamen Projektzeit, gemeinsam zu überlegen, wie wir den Auftritt bestmöglich gestalten könnten. Mit einem zusätzlichen Scheinwerfer und einem kurzerhand herbeigezauberten Verlängerungskabel verwandelte sich der Raum in eine stimmungsvolle Konzertkulisse.

Unsere erste Durchlaufprobe dauerte lange. Alle wollten dem Publikum einen möglichst lebendigen Eindruck der vergangenen zweieinhalb Wochen vermitteln. Der genaue Ablauf der Beiträge formte sich erst jetzt – in den Stunden unmittelbar vor dem Konzert. Eine Harfe musste noch ausgetauscht und gestimmt werden, Kleider wurden gewechselt, und ein handschriftliches Konzertprogramm entstand in letzter Minute. Schliesslich blickten wir unserem Auftritt voller Vorfreude und gespannter Erwartung entgegen.

Worte können nur schwer beschreiben, was dieser Nachmittag und Abend für uns alle bedeuteten. Was am Ende auf der Bühne sichtbar wurde, war weit mehr als eine Abfolge von Produktionen, Tänzen oder Musikstücken. Es war das lebendige Ergebnis unseres gemeinsamen Weges während der letzten 18 Tage.

Ein Stück weit wurde unser Wunsch Wirklichkeit. Die anfängliche Unsicherheit darüber, welche Formen der Zusammenarbeit möglich wären und welche «Ergebnisse» daraus entstehen könnten, verwandelte sich – getragen vom grossen Engagement aller Beteiligten – in echte Begeisterung für das gemeinsame Tun. Wir haben voneinander gelernt, Geschichten und Schicksale geteilt und Verständnis für unterschiedlichste Lebensrealitäten gesucht und gefunden.

Vielleicht war es genau das, was in diesen Tagen im APC entstehen durfte: das Erleben von Gemeinschaft durch Musik. Und das Erleben von Musik durch Beziehung.

Das anschliessende Abendessen mit Kapana und Pap – einem traditionellen namibischen Gericht, das von grossen Tellern gemeinsam geteilt wird – war ein schöner Ausklang. Die darauffolgenden unvermeidlichen Abschiede waren herzlich und tränenreich.

Der Abschied von Tsumeb fiel uns schwer. Dass Wilbard, der junge Hornlehrer, Fillemon, der Theaterlehrer, und Absalom, sein Musikfreund, uns am nächsten Tag bei unserer Abreise an der Busstation noch einmal umarmten und winkten, bedeutete uns viel.

Die fünfstündige Busreise zurück nach Windhoek schenkte Zeit und Raum, um Erlebtes und Gedanken zu ordnen. Dabei wurde uns allen klar: Dieses Ende ist mindestens ein Anfang. Und dafür sind wir dankbar.

Ange, Dozentin EMP


Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert