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Reflexion der Studierenden: ZHdK goes Namibia

In der Vorbereitung zum Projekt standen drei Perspektiven (Ziele) der Zusammenarbeit im Fokus. Nachfolgend reflektieren die Studierenden, welche im Projekt mitgearbeitet haben ihre Erfahrungen und verbinden diese mit den Zielen.

Im Rahmen von „ZHdK goes Namibia“ reisten die Studierenden des MA Elementare Musikpädagogik, der ZHdK,  Rebekka GassmannXi CuiAlejandra RothEmma Zippel und Vallée Anaïse zusammen mit der Dozentin Ange Tangermann, der Alumna Eva Barmet, dem Instrumentenbauer Harry Caraballo und Christian Berger, dem Studienleiter MA EMP und Projektverantwortlichen nach Tsumeb, um am Arts Performance Centre (APC) interkulturelle musikalische Bildungsarbeit zu erleben und mitzugestalten. Alle Studierenden berichten von einem intensiven, bereichernden Austausch, der sowohl fachlich als auch persönlich prägend war.

Rebekka Gassmann beschreibt das APC als lebendigen, offenen Lernort, in dem musikalische Aktivitäten überall präsent sind. Sie schildert, wie das gemeinsame Morgenritual des Singens zum ersten Raum interkulturellen Lernens wurde. Ihre vorbereiteten Unterrichtskonzepte (Orchesterleitung, Einzelunterricht Akkordeon) musste sie rasch den lokalen Bedingungen anpassen – ein Prozess, der ihr half, flexibel und ressourcenorientiert zu arbeiten. Besonders eindrücklich war für sie die spontane Entstehung eines Orchesters, bei dem unterschiedliche Stärken zusammenkamen und sie selbst unerwartet die Rolle der Dirigentin übernahm. Für Rebekka zeigte sich: Interkulturelle musikalische Bildung gelingt durch das Wahrnehmen von Stärken, gemeinsame Verantwortung und Mut zur Improvisation.

Xi Cui reflektiert vor allem den persönlichen Wandel, der durch die Reise ausgelöst wurde. Die Unterschiede im Alltag zwischen Zürich und Tsumeb machten ihr bewusst, wie viele Dinge sie zuvor als selbstverständlich betrachtet hatte. Während sie zu Beginn etwas Abstand brauchte, entwickelte sie durch gemeinsames Musizieren, Tanzen und Gespräche ein starkes Gefühl von Gemeinschaft. Unerwartet unterrichtete sie Kung-Fu- und Tai-Ji-Kurse, die den Teilnehmenden neue Zugänge zur Körperwahrnehmung eröffneten. Die Erfahrung zeigte ihr, wie sehr Lernen durch Erleben und Begegnung geprägt wird – und wie sehr sie selbst dabei gewachsen ist.

Alejandra Roth hebt die offene, musikdurchdrungene Architektur des APC hervor und beschreibt, wie spontane musikalische Momente – oft ausgelöst durch Regen, Donner oder zufällige Treffen – zu Grundsteinen interkultureller Zusammenarbeit wurden. Anfangs kollidierten unterschiedliche Erwartungen: Die APC-Lehrpersonen waren auf Instrumentalunterricht fixiert, während die ZHdK-Studierenden breitere pädagogische Impulse einbringen wollten. Durch Mut und Dialog wurden diese Vorstellungen erweitert. Besonders bewegend war für Alejandra das gemeinsame Singen in verschiedenen Sprachen – einschließlich eines Berndeutsch-Liedes – wodurch ein tiefes gemeinsames Musikerleben entstand. Für sie wurde klar: Musik ist eine gemeinsame Sprache, die Unterschiede verbindet.

Emma Zippel betont die Bedeutung des Verständnisses für die Geschichte Namibias, insbesondere die koloniale Vergangenheit, die auch heute soziale Gräben prägt. Im APC wurde sie mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert – viele Lehrpersonen gingen davon aus, dass sie vor allem instrumentale Meisterschaft vermitteln würden. Durch Gespräche und gemeinsames Tun entstand allmählich eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das tägliche gemeinsame Singen und Tanzen war für Emma besonders wertvoll, da hier Brücken zwischen den Gruppen entstanden. Auch bei der Arbeit mit Kindern erlebte sie, wie Spontaneität zu fröhlichen und unerwartet schönen Momenten führte. Das Abschlusskonzert, trotz Chaos im Vorfeld, wurde zu einem magischen, verbindenden Erlebnis.

Vallée Anaïse beschreibt ihre ersten Eindrücke als Begegnung mit großer Vielfalt, gleichzeitig aber mit wenig Vernetzung zwischen den verschiedenen musikalischen Bereichen. Das gemeinsame Morgenritual entwickelte sich für sie zu einem zentralen interkulturellen Begegnungsraum, in dem spontane musikalische Reaktionen – wie Marimba-Begleitungen zu Schweizer Liedern – besonders beeindruckten. Die Arbeit mit Tanz und Bewegung zeigte ihr, wie stark Musik über Körperlichkeit Gemeinschaft stiftet. Persönliche Momente mit einzelnen Lehrpersonen, etwa im Bereich Geige oder Tanz, vertieften ihr Verständnis für musikalische Dialoge im interkulturellen Kontext. Für die Zukunft sieht sie großes Potenzial in einer vertieften Vorbereitung und längerfristigen Zusammenarbeit.

Gemeinsame Erkenntnisse der Studentinnen

Die fünf Reflexionen ergeben ein gemeinsames Bild:

  • Musik schafft Verbindung, auch wenn kulturelle Unterschiede, verschiedene Unterrichtstraditionen und unterschiedliche Erwartungen bestehen.
  • Spontaneität, Offenheit und Flexibilität wurden zu zentralen Erfolgsfaktoren.
  • Stärken wurden geteilt, Verantwortung übernommen, neue Rollen ausprobiert.
  • Gemeinschaft – im Singen, Tanzen, Musizieren – wurde zum Kern des Projekts.
  • Alle Autorinnen beschreiben die Reise als tief prägende Erfahrung, die ihr Verständnis von Musikpädagogik, von interkultureller Zusammenarbeit und von sich selbst erweitert hat.

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